Durch den Verstand des Hundes besteht die Welt. Zendavesta, Heilige Schrift der Parsen, eine der ältesten und wichtigsten Religionsurkunden der Menschheit.

Hundesprache

Man unterscheidet bei Hunden verschiedene Gruppen von Signalen: Drohsignale, Abbruchsignale und Beschwichtigungssignale. Es wäre natürlich verfehlt, wenn ein Hundehalter dies immer im Einzelnen zuordnen müsste. Doch im Alltag zeigt sich häufig, dass nicht einmal die gängisten Hundesignale wirklich bekannt sind, dass sie zu oft falsch gedeutet werden und die Hunde letztlich darunter leiden.

Territorialverhalten

Das Territorialverhalten eines Tieres oder einer Gruppe von Tieren wird auch Revierverhalten genannt. Es dient dazu, das eigene Territorium gegen andere Tiere der gleichen Art zu verteidigen und gegen deren Territorien abzugrenzen. Das Territorialverhalten ist Sozialverhalten und gehört zu den grundlegenden Mechanismen bei Mensch und Tier.

Unter territorialem Verhalten versteht man z.B. Bellen am Gartenzaun, wenn es an der Tür klingelt, Anspringen, gehemmtes Beißen (festhalten), Folgen von Besuchern auf dem Grundstück bzw. in der Wohnung etc. Dieses Verhalten, also der Versuch, einen Eindringling mit Drohen oder Angriff zu vertreiben, gehört zu dem Normalverhalten von Hunden und bedeutet nicht, dass ein Hund aggressiv ist.


Knurren, Zähne fletschen

Solch ein häufig falsch gedeutetes Signal ist das Knurren. Knurren, Zähne fletschen und Lefzen hochziehen gehören zur Hundesprache: Das Tier signalisiert, dass es Abstand will – weil es Angst hat, weil es jemanden oder etwas beschützen will oder weil es einen Knochen verteidigt.

Das heißt aber nicht, dass der Hund gefährlich ist. Im Gegenteil: Ein Hund, der knurrt, warnt. Er will Aggression vermeiden. Er schnappt eben nicht einfach zu, er wendet soziale Spielregeln an. Sobald der Abstand wieder gewahrt ist, sich also zum Beispiel der Mensch, der angeknurrt wird, abwendet und ein Stück entfernt, entspannen sich die Züge des Hundes – ein Konflikt wurde vermieden.

Jagen

Das Jagen und Töten von Beutetieren ist kein Zeichen von Aggressivität, sondern lediglich normales, arteigenes, allerdings meist unerwünschtes Verhalten.

Da der Mensch nicht zum Beutespektrum des Hundes zählt, bedeutet die Gefährlichkeit für Beutetiere keine Gefahr für den Menschen, dabei spielt auch die Größe des Beutetieres keine Rolle.

80-90% der Hunde sind gefährlich für Beutetiere aufgrund ihres Jagdtriebes und 100 % der Katzen, vorausgesetzt sie sind FreigängerInnen oder leben im Freien.  Fachleute sagen, dass auch eine noch so gute Erziehung keine 100%ige Sicherheit bietet bei entsprechendem Jagdtrieb. Das gilt natürlich besonders für eine waldreiches Bundesland wie Hessen.

Dass Hunde die Beutetiere töten für Menschen gefährlich sind, wird durch sämtliche anerkannte Ethologen widerlegt. Wenn man einem Hund unterstellt, er sei für Menschen gefährlich, weil er Beutetiere tötet, dann ist das gleichbedeutend als wenn man einem Menschen unterstellt, dass er für Menschen gefährlich ist, weil er Tiere tötet. Genauso verhält es sich, wenn man einer Katze unterstellt, sie wäre für Menschen gefährlich (kratzbürstig, bissig), weil sie Beutetiere tötet. Jeder weiß, das ist absurd, was Katzen und Menschen angeht. Nur viele wissen nicht, dass das Gleiche auch für Hunde gilt. So wird ein Hund als gefährlich bezeichnet, der ein Beutetier getötet hat und Menschen die nicht sachkundig sind, gehen automatisch davon aus, dass solch ein Hund auch für Menschen gefährlich ist.

In keinem Fall liegt es in der Verantwortung des Hundes, wenn er jagt und zum Jagen gehört auch das Töten, sondern in der Verantwortung des Menschen. Viele Hunde- und KatzenbesitzerInnen wissen das, da ihre Tiere zumindest Mäuse jagen und auch töten. Es handelt sich um das gleiche Verhalten, ob ein Hund eine Maus jagt und tötet oder ein Reh. Nur der Mensch und also auch die Behörden bewerten das Verhalten unterschiedlich. 

Spielzeug schütteln

Das Spielzeug schütteln legt man immer wieder negativ aus. Beuteschütteln wird oft fälschlicherweise als Aggressionbezeichnet, als Killerinstinkt. Es gibt sogar Hundetrainer, die erschreckte Besitzer derart spielender Hunde warnen, das Todschütteln lasse gefährliche Anlagen erkennen. Hierzu Günther Bloch: „Der Hund, der mit Menschen mit Objekten spielt, zeigt dieses Beuteschütteln, weil er in dieser Situation versucht, die Beute zu sichern.“

Natürlich versucht ein Hund, wenn er eine Beute bekommt, durch Schütteln zu erreichen, dass sie sich nicht mehr bewegt. So schüttelt ein Hund zum Beispiel auch ein Stück Pansen, das man ihm gibt. Dazu Günther Bloch: „Er kann ja nicht aggressiv gegenüber einem Stück Pansen sein. Da wird instinktiv geschüttelt, damit sich die Sache nicht mehr bewegt. Das ist Beute, Ersatzbeute, und Beute machen hat mit Aggression nichts zu tun. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.“

Anspringen

Welpen springen ihre Mutterhündin bei der Rückkehr von der Futtersuche an, um ihre Lefzen berühren zu können. Durch das Anstoßen und Belecken an den Mundwinkeln, würgt die Mutter die vorverdaute Nahrung hervor. Aus diesem Verhalten entwickelt sich ein Begrüßungsritual unter den Hunden, das sie auch als erwachsene Beibehalten. Diese freundliche Art der Kontaktaufnahme versuchen junge Hunde oft auch bei Menschen und springen somit an ihnen hoch, um ihr Gesicht und ihre Mundwinkel zu lecken.

Wedeln

„Der tut nichts, der wedelt ja.“ Auch dies kann ein Missverständnis sein. Denn es gibt verschiedene Arten zu wedeln, und nicht jede bedeutet Freundlichkeit. Deshalb betont Günther Bloch, dass nur der Gesamteindruck Aufschluss über die Stimmungslage gibt, nicht ein einzelnes Signal.
Wenn der Körper locker, nicht erstarrt oder angespannt ist, dann signalisiert das Schwanzwedeln gute Stimmung. Der Hund wird sich über Streicheln freuen, über Ansprache – er sucht selbst Kontakt.

Aber Wedeln kann auch anders aussehen und etwas anderes signalisieren: Der Hund steht erstarrt, der Schwanz schlägt hin und her. Er steht vielleicht vor einem Mauseloch und hat Witterung aufgenommen. Auch dieser Hund wedelt – ihn aber jetzt zu streicheln, könnte mit einem Biss enden, denn das Tier verteidigt möglicherweise sein Mauseloch, ist auf jeden Fall erregt, in Jagd- und keinesfalls in Schmusestimmung.


Links:
www.gewaltlos.at

Literatur:

Ausdrucksverhalten beim Hund, Mimik und Körpersprache, Kommunikation und Verständigung
Dorit U. Feddersen-Petersen, 2008, 493 Seiten, 700 farbige Abbildungen, Maße: 17,3 x 25,3 cm, Gebunden, Deutsch, Kosmos (Franckh-Kosmos)

Mürrische Leute haben mürrische Hunde, gefährliche Leute haben gefährliche. Marc Aurel (121 - 180), römischer Kaiser 161 - 180 und Philosoph