"Pelz" - "Leder" mit Fell - Haut mit Haaren


"Pelz tragen" - warum eigentlich nicht?

Töten für Luxus

Pelze wachsen nicht auf Bäumen. Für Pelze müssen Tiere sterben. Und das nur, weil manche Menschen Pelze für ein besonders modisches Kleidungsstück halten oder zeigen wollen, dass sie sich teure Sachen leisten können. Das ist anders als z.B. bei der Lederherstellung, wo Häute von Schlachttieren verwendet werden, die in der Hauptsache der menschlichen Ernährung dienen.
Eine Notwendigkeit, Pelz zu tragen, besteht, jedenfalls in unseren Breitengraden, nicht. Auch andere Kleidung wärmt und kann mindestens genauso modisch oder extravagant sein. Schon von daher ist die Tötung von Tieren zur Pelzgewinnung grundsätzlich abzulehnen.

Hinzu kommen weitere Gründe. Denn die Bedingungen, unter denen Felle für den Luxusartikel Pelz gewonnen werden, sind in der Regel überhaupt nicht luxuriös, sondern erbärmlich und beschämend.

Haltungsbedingungen

Die weltweit gehandelten Felle stammen größtenteils von gezüchteten Tieren. Und so sieht eine typische „Pelzfarm“ aus:

Lange Reihen von Drahtgitterkäfigen in Schuppen ohne Kanalisation, oft auch ohne Trinkwasserleitungen. Exkremente sammeln sich unter den Käfigen, sickern in den Boden, auf den Käfigen Reste von Futterbrei, in den Käfigen Nerze, Füchse oder andere Tiere auf engstem Raum, oftmals verhaltensgestört oder mit angebissenen Körperteilen.

Tötungsmethoden

Als sogenannte „Ernte“ wird in der Pelzbranche der Vorgang der Tötung der gezüchteten Jungtiere verharmlost. Zu den herkömmlichen Tötungsarten zählen zum Beispiel das Vergasen, unter Strom Setzen, Vergiften und Erschlagen.

In Deutschland wurden erst Mitte 1997 Tötungsmethoden vorgeschrieben, die zumindest im Prinzip schnell und schmerzlos töten sollen: die Verabreichung eines Betäubungsmittels oder die Vergasung mit Kohlenmonoxid.
Außerdem sollen mögliche Qualen aufgrund dilettantischer Durchführung durch die Forderung eines Sachkundenachweises verhindert werden. Wenn die Vorschriften greifen, darf man wenigstens bei den in Deutschland produzierten Fellen auf verbesserte Tötungsbedingungen hoffen.

Beim Fang wildlebender Tiere hat man der Ausrottung bedrohter Tierarten mittlerweile einen Riegel vorgeschoben. Die früher begehrten Felle, z.B. von Ozelots oder anderen gefleckten Katzen, dürfen aus Artenschutzgründen längst nicht mehr gehandelt werden.

Die Probleme liegen heute vor allem im Fallenfang, wie er in den klassischen Trappergebieten Nordamerikas und Russlands auf Biber, Wolf, Luchs und andere Wildtiere betrieben wird.

Beliebt sind Fallen, weil sie das Fell nicht beschädigen. Doch Totschlagfallen funktionieren nicht immer hundertprozentig, so daß verletzte Tiere langsam und qualvoll verenden. Oder es geraten die falschen Tiere in die Fallen. Mancherorts werden immer noch die in Europa längst verbotenen Tellereisen verwendet. Sie sind besonders grausam, denn die Bügel schlagen über den Pfoten zu und halten die verletzten Tiere bei vollem Bewusstsein fest. Vor Schmerzen und Angst versuchen sie zu entkommen, sogar sich durch das Abbeißen der Pfote selbst zu befreien. Werden sie nicht schnell gefunden und getötet, sterben sie vor Hunger, Durst oder Erschöpfung einen elenden Tod.

Was tun? Gesetzliche Regelungen

Eine Lösung der Tierschutzproblematik auf gesetzlicher Ebene ist bislang nicht gelungen. Trotz eines von der Europäischen Union gefassten Beschlusses dürfen immer noch Felle aus Ländern importiert werden, in denen Tellereisen verwendet werden.

Bereits 1996 hatte Hessen auf Initiative der Tierschutzbeauftragten Haltungsvorgaben für Pelztiere auf Landesebene erlassen, da der Bund nicht handelte.

Erst 10 Jahre später im Herbst 2006 legte der Bund endlich eine entsprechende Verordnung vor. Diese liegt aber leider unter dem Niveau der ehemaligen Hessischen Regelung und sieht zudem noch bis zu 10 Jahre lange Übergangsfristen vor.

Und Sie? Was können Sie tun?

Viel, denn in der Pelzbranche geht es um Geld, Ihr Geld. Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden! Die Pelzbranche sah in den vergangenen Jahren ihre Felle davonschwimmen und versuchte mit geschickten Werbekampagnen die Verkaufszahlen zu steigern. Ein genaueres Hinsehen lohnt sich, vor allem bei Slogans wie:


Verzichten Sie auf Pelze?


Verzichten Sie schon auf den den Kauf von Pelzen? Dazu gehört nicht nur der klassische Nerzmantel oder die Pelzjacke. Vergessen Sie nicht: Auch für Kleidungsstücke, die mit Pelz gefüttert oder mit Pelzstücken, z.B. als Kragen- oder Kapuzenverzierung, besetzt sind, mussten Tiere sterben. Außerdem erlaubt gerade dies die Verarbeitung auch schlechter Fellqualitäten, z.B. von verletzten Tieren.

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... mit Kleidung, an der kein Blut klebt. Entscheiden Sie sich bewusst für Kleidung aus Fasern oder Wolle. Es gibt sie für jedes Wetter,  jeden Geschmack und jeden Anspruch. Für die, die es mögen, sogar im Pelz-Look aus edlen Garnen, ganz ohne Tierquälerei.

Noch Fragen?

Sollten Sie noch Fragen zum Tierschutz haben, können Sie sich an die Landestierschutzbeauftragte wenden. Dort sind kostenlos auch weitere Informationsmaterialien erhältlich.

Unter der Rubrik "Service für Sie - Infomaterial" stehen Ihnen die vorhandenen Informationsmaterialien zum Download oder zur Bestellung zur Verfügung.

 

Link

Mehr zum Tierschutz in Hessen: www.tierschutz.hessen.de

Landestierschutzbeauftragte, Tierärztin, Fr. Madeleine Dr. Martin