Eine Katze jagt ein Wildtier und tötet es.
Die Menschen wissen, das ist normal.
Ein Hund jagt ein Wildtier und tötet es.
Der Mann tötet den Hund und erklärt:
Wer Tiere tötet, kann auch für Menschen gefährlich werden!
A.M.Tierversuchsgegnerin, Tierfreundin, Veganerin

 

Brief an eine Tierarztpraxis

An alle MitarbeiterInnen der Praxis Dr. W.!

Ich möchte Ihnen die Geschichte von Sammy aus E. erzählen.

Da ich nicht ausreichend aufgepasst hatte, tötete Sammy einen Rehbock. Er kam auf meinen Rückruf zwar schnell zurück, aber es war zu spät. Das Ganze war auf einem Grundstück am Dorfrand passiert.

Es war mein Fehler gewesen. Ich hatte zu wenig Erfahrung mit Hunden. Ich hätte den Hund an die Leine nehmen müssen. Das Problem war auch, dass er ein Reh getötet hatte und nicht etwa einen Fuchs oder ein anderes Wildtier. So drohte die Jagdbehörde ihn als gefährlichen Hund einzustufen und mit Bußgeld, wenn so etwas noch einmal passieren würde. Was absurd ist, denn 80-90% der Hunde sind gefährlich für Beutetiere und der Hund wird verteufelt. Lediglich die verantwortlichen Menschen sind zur Rechenschaft zu ziehen.

Zunächst dachte ich noch, dass es im Grunde gut war, dass es zu einer Anzeige gekommen war, denn sonst hätte ich gar nicht gewusst was passiert war. Hätte ich geahnt, dass es das Todesurteil für den Hund bedeuten würde, hätte ich anders darüber gedacht.

Ich sagte dem Besitzer, dass ich bereit wäre alle anfallenden Kosten die gegebenenfalls entstehen würden, wie eine mögliche Strafe und auch eine Kastration, wenn das sinnvoll wäre, zu bezahlen.

Der Besitzer wollte den Hund aber nach der Wildtötung, da er eine Anzeige befürchtete, von Ihnen Herr Dr. W. töten lassen.

Wir konnten es kaum fassen und versuchten ihn, zusammen mit anderen Nachbarn, sehr erfahrenen Hundehaltern, dazu zu bewegen, uns den Hund zu geben, aber er weigerte sich strikt und meinte den Hund gibt er nicht ab, entweder er bleibt bei ihm oder er lässt ihn töten. Obwohl er davon überzeugt war, dass der Hund wieder jagen gehen würde, sicherte er ihn nicht, sondern ließ ihn frei laufen.

Wir zweifelten an, das es so einfach sein würde, eine TierärztIn zu finden die aus diesem Grund ein junges, gesundes und freundliches Tier töten würde, zumal Sie den freundlichen Hund kannten, aber er hatte da gar keine Bedenken und versicherte uns, dass das kein Problem für ihn sei. Er hatte recht, schließlich kannte er Sie, Herr Dr. W.

Wahrscheinlich nur aufgrund unserer Intervention ließ der Besitzer den Hund am Leben. Es stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass er wie zuvor nur die Katzen auf dem Grundstück jagte, wie er es vom Muttertier gelernt hatte und mangels sinnvoller anderer Beschäftigung. Wir waren so naiv zu glauben, es bestünde daher keine Gefahr mehr für den Hund und haben dummerweise gedacht, dass die Tötung kein Thema mehr wäre, nachdem der Halter sich wieder beruhigt hatte.

Wir und andere, hundeerfahrene HundebesitzerInnen, sagten dem Halter ausdrücklich, dass wir den Hund jederzeit und sofort nehmen würden, wenn er den Hund nicht mehr haben wollte, insbesondere bevor er getötet werden sollte.

Warum haben sie den Hund Sammy getötet? Es war ein junger, gesunder und freundlicher Hund. Das wussten Sie. Reicht bei Ihnen der Halterwunsch als Grund für die Tötung aus? Sie kennen doch das Tierschutzgesetz? Wo war hier der wichtige Grund für die Tötung? Warum sind Sie Tierarzt oder Tierarzthelferin geworden - um Tiere zu töten oder um ihnen zu helfen?

Die meisten TierfreundInnen sind tatsächlich so dumm zu glauben TierärztInnen würden keine jungen, gesunden Haustiere töten, aber das ist die Naivität von TierfreudInnen. Dass der Hund gejagt hat, war alleine der Fehler seiner Begleitung. Wie kann man ein Tier dafür bestrafen und dann noch mit dem Tod? Er hat lediglich arteigenes, also normales Verhalten gezeigt. Das ist kein Verhalten, dass darauf schließen lässt, dass der Hund aggressiv ist, schon gar nicht gegen Menschen. Auch Katzen jagen Beutetiere und niemand würde auf die Idee kommen, sie deshalb für gefährlicher zu halten als Wohnungskatzen die das nicht tun (können) und sie deshalb töten.

Bei dem 2. Vorfall, ein Jahr später, waren die beiden Hunde des Bauern, Sammy und Bessi, auf einen Hund zu gerannt der mit seiner Besitzerin ihr Territorium auf dem Wirtschaftsweg durchquerte. Sie wollten den Hund verjagen und haben ihn dabei leicht verletzt. Die beiden Hunde waren unbeaufsichtigt. Wir waren an dem Tag nicht da und haben davon erst eine Woche später erfahren. So hatten wir keine Möglichkeit einzugreifen.

Da ihm die Hundehalterin mit einer Anzeige drohte, weil die Hunde unbeaufsichtigt waren, hat der Bauer diesen Vorfall genutzt, um seinen Hund Sammy von Ihnen töten zu lassen.

Der 2. Vorfall war ebenfalls ein für Hunde nicht ungewöhnliches Verhalten, wenn zwei Hunde, quasi als  Rudel, ihr Territorium verteidigen wollen und nicht beaufsichtigt werden.
Das Verhalten der Hunde war bekannt, deshalb ging kaum noch jemand am Grundstück vorbei. Es war glücklicherweise nie etwas passiert, so gab es für die HalterInnen keinen Grund etwas zu ändern. Eine einfache Laufleine auf dem Hof oder ein Zaun um den Garten gab und gibt es nicht. So wären die Hunde gesichert gewesen, wenn man sie nicht beaufsichtigen konnte.

Im Nachhinein finden sich plötzlich noch mehr Gründe, wie, der Hund hätte Kinder böse angeknurrt. Letztes Jahr im Sommer nach dem Jagdvorfall sind beide Hunde mit verschiedenen kleinen Kindern auf dem Hof herumgelaufen, ohne dass es irgendwelche Probleme gab und man sich deshalb Sorgen gemacht hat, da Sammy auch zu Kindern sehr freundlich war.

Sollten noch weitere „Greueltaten“ über den Hund verbreitet worden sein, kann ich dazu nur sagen, das Tier war Ihnen hilflos ausgeliefert, was man dazu benutzen kann alles Erdenkliche zu erfinden, schließlich kann so ein Tier nicht widersprechen.

Noch nicht einmal die Besitzerin des fremden Hundes hält die beiden Hunde für gefährlich und findet Ihr Verhalten und das des Hundehalters grauenhaft und schrecklich. Sie schätzt die Hunde, obwohl sie sie nur in dieser Situation kennengelernt hat und bis dahin nicht kannte, nicht als gefährlich ein, aufgrund ihres Gesamtverhaltens während und nach der Situation:
Die Hunde wichen bei lautem, energischen Befehl von ihr sofort zurück.
Sie war gestürzt, lag am Boden und die Hunde machten keinerlei Anstalten sie zu beißen.
Als sie hinter ihrem flüchtenden Hund herlief, folgten ihr die Hunde nicht.
Als sie später zum Hof zurückkam, um den Besitzer zu suchen, kamen ihr, die immer noch unbeaufsichtigten Hunde, freundlich entgegen.

In den letzten 20 Jahren hat sich viel geändert, gerade was das Wissen über Hunde angeht. Hundeschulen gibt fast an jeder Ecke. Da geht es nicht nur um die Bespaßung der Hunde, sondern es geht auch darum, dass viele Hundebesitzer Erziehungsprobleme mit ihren Tieren haben. Das Jagen bzw. der Jagdtrieb oder auch das Verteidigen des Territoriums gehören zu den verbreitesten Problemen und sind auf keinen Fall ein Tötungsgrund.

Beide Hunde sind/waren sehr menschenfreundlich, intelligent und auch gut erziehbar. Es waren alleine die Fehler der Menschen, die hier zu Problemen geführt haben. Das unerwünschte Verhalten des Tieres/der Tiere war einzig auf mangelnde Erziehung und mangelnde Aufsicht zurückzuführen. Das falsche Verhalten der Menschen hat hier zu Problemen geführt, die durch einfache Maßnahmen hätten geändert werden können, wie bessere Erziehung, Beaufsichtigung und Sicherung durch (Lauf-)Leine oder Zaun. Auch die Trennung der Hunde, denn beide Tiere waren/sind einzeln deutlich zurückhaltender, hätte zur Verhaltensänderung beigetragen.

Für den Bauern und Sie Herr Dr. W. scheint die Tötung eines Tieres das erste Mittel der Wahl zu sein, nicht das Letzte. So ist auch das freundlichste Tier chancenlos. Sie wissen beide ganz genau, dass es nicht den geringsten Tötungsgrund gab und dass sie sich strafbar gemacht haben, aber das ist Ihnen egal, denn Sie wissen wie man sich herauslügt.

Wären sie mit dem Töten nicht so bereitwillig und eilfertig gewesen, hätte es noch eine Chance für den Hund gegeben. Auch Sie wissen, dass es Tierheime und Tierschutzvereine gibt. Warum verweisen sie solche Leute nicht grundsätzlich dorthin und verweigern die Tötung? Ist es das Geld? Wir hätten Ihnen gerne den Verdienstausfall erstattet.

Warum hat niemand anders in der Praxis, wie z.B. die Tierarzthelferinnen, widersprochen? Ist man im Laufe der Zeit in dem Beruf so abgestumpft, dass man auch junge und gesunde Tiere auf Halterwunsch tötet und das völlig normal findet?
Wie ist es möglich, dass sich die gesamte Praxisbelegschaft so gefühllos und gewissenlos verhält und solch grausames und gemeines Tun akzeptiert?
Vielleicht gibt es ja doch noch jemanden in der Praxis, der ein Gewissen gegenüber Tieren hat und sich wenigstens in Zukunft einem solch grausamen Verhalten Ihrerseits widersetzt und das nicht mehr erwünschte Tier im Tierheim abgibt, statt zu zulassen, dass Sie es entsorgen? Ein Anruf dort genügt und die TierhalterIn ist das Tier los. Tiere sind keine Gegenstände, sondern Mitgeschöpfe. Sie hängen genauso an ihrem Leben wie wir Menschen.

Ist das Tier nur ein Mittel um Geld zu verdienen für Sie? Nach dem Motto der zahlende Kunde ist König und das Tier zahlt schließlich nicht.
Glauben Sie wirklich, dass Ihr Verhalten bei Ihren KundInnen gut ankommt und eine gute Werbung für Ihre Praxis ist? Die meisten Ihrer KundInnen sind tierlieb und würden ein solches Verhalten ihrer TierärztIn mit Sicherheit ablehnen.

Halten Sie es wirklich für Ihre Aufgabe, wenn jemand seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommen will, diesem zu helfen sich seines Tieres zu entledigen, indem Sie es entsorgen?
Eine Einschläferung bedeutet das Tier von Leiden zu erlösen und nicht den Tierhalter von einem unerwünschten Tier und seiner Fürsorgepflicht. Das sollten Sie eigentlich wissen!

Ist Ihr Verhalten eine Ausnahme oder sind in Deutschland die Tierarztpraxen die heimlichen Tötungsstationen für unerwünschte Tiere?

Steht in der Berufsordnung für TierärztInnen nicht: „Der Tierarzt ist der berufene Schützer der Tiere.“ Haben Sie das vergessen oder interessiert Sie das nicht, weil das Tier nicht zahlt? Das unsinnige Töten eines Tieres/des Hundes stellt die schlimmste Form der Misshandlung dar.

Es ist eine Kleinigkeit einen Hund für bissig und gefährlich zu erklären und schon hat man sich aus der Verantwortung für sein gemeines Tun herausgelogen. Warum haben Sie keinen Wesenstest verlangt? Die Antwort ist einfach: Weil es dann keinen Grund zur Tötung gegeben hätte, denn den hätte der intelligente und freundliche Hund mit Bravour bestanden.

Dieser Hund musste allein aus mangelnder Fürsorgebereitschaft, aufgrund der Missachtung des Tierschutzgesetzes und der großen Bereitschaft zu töten, sowohl von Seiten der HalterInnen als auch von Ihrer Seite, sterben.

Wer gewohnheitsmäßig tötet, läuft Gefahr abzustumpfen und dann auch aus Spaß, Wut, Geldgier oder sonstigen „wichtigen“ Gründen zu töten.

Wann töten Sie das nächste Tier, weil die HalterÍn ihrer Fürsorgepflicht nicht mehr nachkommen will und nicht bereit ist das Tier abzugeben?

Wie viele Tiere habe sie aus diesem Grund schon getötet?

Wie Sie sicherlich schon bemerkt haben, habe ich Anzeige erstattet und zwar insbesondere deshalb, weil ich befürchte, dass dem verbliebenen Hund das gleiche Schicksal drohen könnte, falls noch einmal etwas vorfallen sollte. Der Hund ist das Muttertier des getöteten Hundes. Ich hoffe sehr, sie erklären sich nicht bereit, diesen Hund auch noch zu entsorgen, falls der Halter dies wünschen sollte.

Ich gehe davon aus, dass das Verfahren eingestellt wird, da Sie sich entsprechend  herauszulügen wissen werden. Sie werden erzählen, der Hund sei seit der Welpenzeit äußerst aggressiv gewesen und der Halter wird sagen er wäre dann immer aggressiver geworden, nicht wahr? Sie wissen, Sie brauchen sich beim Lügen noch nicht einmal viel Mühe zu geben. Ich hoffe, dass die Zeiten sich ändern werden und vor allen Dingen Ihr Bewusstsein und ich hoffe, dass die Anzeige Sie und Ihre MitarbeiterInnen veranlassen könnte, ihr Verhalten zu hinterfragen und mit solchem unsinnigen und gemeinen Töten aufzuhören.

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Die vom deutschen Tierschutzgesetz vertretene Position des „ethischen Tierschutzes" besagt, dass Tiere als Individuen um ihrer selbst Willen zu schützen sind. ...Gemäß dem deklarativen Ausdruck des § 1 (TierSchG) sind Tiere Mitgeschöpfe und haben als solche ein grundsätzliches Recht auf Leben. Tiere besitzen als Lebewesen und Mitgeschöpfe einen Eigenwert, der unabhängig vom Nutzwert für den Menschen ist.

Der „rechtfertigende Grund“ verlangt also zwingend eine gewissenhafte Berücksichtigung aller Gründe, die für den Schutz des Lebens Gewicht haben. Im Zweifelsfall muss der Grundsatz gelten: in dubio pro animale.

Der Tierarzt steht bei der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Töten von Tieren oft zwischen materiellen Zwängen und ethischer Verantwortung. Dabei erfordert das Einstehen für die eigene ethische Überzeugung häufig Zivilcourage.

Zivilcourage ist der aktive Einsatz für rechtlich und moralisch als richtig Erkanntes, der eigene wirtschaftliche und soziale Nachteile riskiert (vgl. Höffe, 2002).

siehe dazu:
www.tierschutz-tvt.de
Merkblätter
Tierethik, Ethische Aspekte des Tötens von Tieren (101)
Codex veterinarius (64)