Die Sache der Tiere ist unlöslich verknüpft mit der Sache des Menschen, und zwar in einem Maße, daß jede Verbesserung in unserer Beziehung zur Tierwelt unfehlbar einen Fortschritt auf dem Wege zum menschlichen Glück bedeuten muß. (Emile Zola)

 

.Behandlungsfehler – Theorie

.Behandlungsfehler - Beispiel

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Behandlungsfehler - Theorie

 

Unterläuft einem Tierarzt ein grober Behandlungsfehler, muss dieser für den entstandenen Schaden in voller Höhe aufkommen.

Aus dem Tierarztvertrag ergibt sich die Verpflichtung, eine Dokumentation zu führen, worin die wichtigsten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen und Verlaufsdaten festgehalten werden. Es genügt dabei eine Aufzeichnung in Stichworten.

Tierarzt muss Einsicht in Dokumentation gewähren
Der zwischen dem Hundehalter und dem Tierarzt geschlossene Behandlungsvertrag beinhaltet das Recht des Hundehalters auf Einsicht in die tierärztliche Dokumentation. Der selbständig einklagbare Einsichtsanspruch besteht auch dann, wenn der Tierhalter in einem laufenden Haftungsrechtsstreit vom Tierarzt Schadenersatz verlangt.

Tierärztlicher Diagnosefehler
Ein tierärztlicher Behandlungsfehler in Form eines Diagnosefehlers führt nur dann zum Wegfall des Vergütungsanspruches für den Tierarzt, wenn diesem ein schuldhafter Diagnosefehler vorzuwerfen ist. Das ist aber bei einer im Nachhinein als unrichtig feststehenden Diagnose, für die ein zutreffender Anfangsverdacht bestand, nicht der Fall. Der Tierhalter muss daher das tierärztliche Honorar bezahlen.

Ein Behandlungsfehler führt nur dann zur Haftung des Tierarztes, wenn er für den Schaden ursächlich war. Das muss der Kläger (Tierhalter) im Prozess beweisen. Liegt ein grober Behandlungsfehler vor, muss der Tierarzt beweisen, dass der Schaden auch bei einer fehlerfreien Behandlung eingetreten wäre.

Auch die überflüssige, nicht medizinisch indizierte Operation stellt einen Behandlungsfehler dar.

Kann der Tierarzt die Bezahlung der Rechnung einfordern, wenn erwiesenermaßen eine Fehldiagnose bzw. eine falsche Behandlung vorliegt?
Wenn die Fehldiagnose bzw. eine falsche Behandlung erwiesen sind, wird der Tierarzt in der Regel nicht auf einer Bezahlung der Rechnung bestehen. Ob der Patientenbesitzer zur Zahlung der Rechnung verpflichtet ist, kann letztlich nur gerichtlich geklärt werden. Wenn ein berechtigtes Interesse nachgewiesen wird, ist der Tierarzt auch zur Herausgabe von Kopien der Patientenunterlagen verpflichtet. Dieser Anspruch kann notfalls gerichtlich durchgesetzt werden, aber in vielen Fällen kann auch hier die Tierärztekammer auf Landesebene vermitteln.

Der Besitzer kann bei einer Fehldiagnose Schadensersatz verlangen, wenn ein Schaden, d. h. ein Vermögensschaden, entstanden ist und ein Verschulden des Tierarztes gegeben ist.

Was kann der Tierhalter tun, wenn er das Gefühl hat, sein Tier wird/wurde falsch behandelt?

Das Wichtigste ist, zunächst mit der TierärztIn über die Behandlung sprechen und beiden Seiten die Möglichkeit geben, Missverständnisse auszuräumen. Falls dies erfolglos sein sollte, steht dem Tierhalter selbstverständlich gegenüber Forderungen des Tierarztes der Rechtsweg offen. Darüber hinaus oder stattdessen kann man sich mit einer Beschwerde an  die zuständige Tierärztekammer des Bundeslandes wenden. Die Anschriften etc. der Tierärztekammern finden sich unter www.bundestieraerztekammer.de.

Angeblich sind die  Tierärztekammern bereit, eine Klärung zwischen der Praxis und der TierhalterIn herbeizuführen.

Meine Erfahrung ist, dass die Tierärztekammer die Angelegenheit nicht interessiert und dass sie sich auch nicht einmischt. Es könnte aber doch Sinn machen, wenn man um eine Klärung bittet, weil die TierärztIn dann zumindest schon einmal aufgefallen ist und wenn es mehrere Beschwerden gibt, besteht vielleicht doch eine Möglichkeit, dass die Kammer sich rührt. Ansonsten bleibt nur der Anwalt.

Links zum Thema:

www.herz-fuer-tiere.de

www.tierrecht-aktuell.de

www.partner-hund.de

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Behandlungsfehler beim Tier am Beispiel der Herzinsuffizienz*

Herzerkrankungen kommen leider auch bei Hunden und Katzen recht häufig vor.

Ein Hund, 7 Jahre, wird von der TierärztIn abgehört, weil er manchmal heftig atmet. Die TierärztIn stellt ein Herznebengeräusch fest, schließt daraus auf eine Herzinsuffizienz und verschreibt dem Tier Herztabletten - für den Rest seines Lebens.

Da das Tier aber sehr fit und gesund wirkt, will die Halterin die Tabletten reduzieren. Dies wird abgelehnt. Nach einem Jahr ist zufällig eine andere TierärztIn in der Praxis. Sie wird gebeten den Hund noch einmal abzuhören. Sie stellt kein Nebengeräusch fest. Die HalterIn lässt zusätzlich bei einer dritten TierärztIn abhören und einen Ultraschall machen. Es wird ebenfalls kein Nebengeräusch und stattdessen ein gesundes Herz mit gut schließenden Klappen festgestellt. Das Tier ist kerngesund und hat 1 Jahr lang Herztabletten bekommen.

„Es kommt öfter vor, dass Herzgeräusche falsch gedeutet werden,“ sagt dazu die Tierärztin einer Tierklinik in Fulda.

Herzgeräusche können auch durch körperliche Anstrengung, Stress oder Aufregung auftreten, wie etwa bei einem Tierarztbesuch.
 

Bei weitreichenden Behandlungen oder Dauermedikation immer eine zweite Meinung einholen

Wenn es um eine längerfristige Medikation bzw. Behandlung geht, sollte man sich auf keinen Fall auf das Abhören verlassen, auch dann nicht, wenn die TierärztIn ausdrücklich versichert, dass sie ganz sicher sei bezüglich des Herznebengeräusches. Stattdessen bei ihr oder besser noch einer anderen TierärztIn, als Zweitmeinung, ein Ultraschall machen lassen. Damit kann relativ sicher festgestellt werden, ob eine Herzinsuffizienz vorliegt. Sollte das nicht ausreichen, kann man zusätzlich noch zu einer FachärztIn, einer KardiologIn oder in eine Fachklinik gehen. Das wird dann allerdings teuer und kann zwischen 150 € und 500 € kosten.

Eine andere Hundehalterin erzählt: „Mein kleiner Yorki hat 6 1/2 Jahre Herztabletten genommen, ohne dass er etwas am Herzen hatte. Und wegen seinem Husten war ich vorher bei einer TierärztIn, die ihm deswegen in 2 Monaten 13 Antibiotika Spritzen gegeben hat. Weitere habe ich strikt abgelehnt. Ich würde immer bei solchen Feststellungen der TierärztIn ein Herzultraschall machen lassen.“

Unsere Chiara wurde auch lange Zeit auf eine - fälschlicherweise - diagnostizierte Herzerkrankung behandelt. Da es ihr trotz ständiger Erhöhung der Herz- und Entwässerungsmedikamente nicht besser ging, stellte ich sie im Frühjahr bei einem Tier-Kardiologen vor. Und der teilte mir mit: ihr Hund ist herzgesund! Um ganz sicher zu gehen bestätigte noch ein 2. Kardiologe Chiaras gesundes Herz.

TierärztInnen wissen zwar, dass das Abhören keine sichere Methode ist. Trotzdem ist es nicht üblich, die HalterInnen auf dieses Problem hinzuweisen und einen Ultraschall vorzuschlagen.

Leider muss man davon ausgehen, dass die TierhalterInnen auf den Folgen und Kosten sitzen bleiben, auch wenn ein nachgewiesener Behandlungsfehler vorliegt. TierärztInnen sind häufig nicht bereit Fehler zuzugeben und lassen es auf einen Rechtsstreit ankommen. Davor schrecken TierhalterInnen jedoch meist zurück und lösen das Problem, indem sie die TierärztIn wechseln.

Im anfangs geschilderten Fall möchte die Hundehalterin die Kosten von über 400€ für das Herzmedikament von ihrer Tierärztin erstattet haben. Die Tierärztin weigert sich mit der Begründung, dass sie keinen Behandlungsfehler gemacht hat, da sie das Herznebengeräusch deutlich gehört hat. Außerdem hätte sie angeblich darauf hingewiesen, dass die Hundehalterin zu einer FachärztIn hätte gehen sollen. Erstens ist es nicht üblich die TierhalterInnen in solchen Fällen an eine FachärztIn zu verweisen und zweitens ist dies auch gar nicht erforderlich, denn ein einfacher Ultraschall (35-45€) den eine TierärztIn selbst in ihrer Praxis durchführen kann, reicht zunächst zur Überprüfung völlig aus.

In einem weiteren Fall sagt eine Tierbesitzerin: „Ich habe bei meinen beiden Hunden das Problem gehabt, dass der Tierarzt eine schwere Herzinsuffizienz mit Lungenödem festgestellt hat (mit Abhören und Röntgen). Sie bekamen beide Herzmedikamente und nach der Herzultraschalluntersuchung stellte sich heraus, dass es bei beiden Hunden völlig unnötig war, da die Insuffizienz noch gar nicht so weit fortgeschritten war, dass Medikamente sinnvoll waren.“

Bisherige Studien haben gezeigt, dass eine Medikation bevor ein Lungenödem (Wasser auf der Lunge mit Husten und/oder Atemnot) keinen Vorteil bringt. Das muss im Einzelfall allerdings genau untersucht werden.


Anzeichen für eine mögliche Herzerkrankung:

Verminderte Bewegungsfreude, abnehmende Leistungsfähigkeit, geringere Ausdauer, Kurzatmigkeit, Atemnot, Hitzeintoleranz (die allerdings viele gesunde Hunde zeigen), Unruhe in der Nacht, besonders in den frühen Morgenstunden; bei Anstrengung oder Aufregung bläuliche Zunge und/oder Husten, Fressunlust. Der Husten tritt nicht kontinuierlich auf, sondern tageweise, mit oft wochenlangen hustenfreien Intervallen (meist in Abhängigkeit vom Wetter). In fortgeschrittenen Fällen: Ödeme (Wassereinlagerungen/“Wasserbauch“), kurze Phasen von Bewusstlosigkeit.

Besonders ältere Hunde kleiner Rassen sind häufig betroffen. Bei diesen Tieren ist meist eine Erst-Diagnose durch den Haustierarzt möglich, weil bei 95% der Kleinrassen ein Herzklappendefekt (Mitralisendokardiose) vorliegt. Hunde großer Rassen und Katzen leiden häufig unter Erkrankungen des Herzmuskels selbst, was eine Diagnose durch „Abhören“ (Auskultation) erschwert.

Bei den meisten Arten von Herzkrankheiten nimmt die Pumpleistung einer Herzhälfte ab. Das Blut staut sich in den Gefäßen. Dabei ist es möglich, dass Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt und sich in den Lungen oder dem Bauchraum ansammelt. In den Lungen verursacht diese Flüssigkeit Atembeschwerden und Husten.


Diagnosemöglichkeiten

Oft ist beim Abhören des Hundes bereits ein auffälliges Herzgeräusch für den Tierarzt mit Hilfe des Stethoskopes hörbar, noch bevor der Hundehalter selbst etwas bemerkt. Aus diesem Grund kann diese Krankheit eventuell bei Routineuntersuchungen erkannt werden. Im Röntgenbild ist häufig ein vergrößertes Herz feststellbar.

Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Farbdoppler-Echokardiographie) macht die genauen Bewegungs- und Strömungsverhältnisse an den Herzklappen deutlich.

Ein EKG kann zusätzliche spezielle Auffälligkeiten aufzeigen, die bei  Hunden mit funktionellen Mitralinsuffizienzen aufgrund einer dilatativen Kardiomyopathie häufig vorkommen.  

Die medikamentelle Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und der Symptomatik  und setzt üblicherweise erst mit dem Auftreten erster klinischer Symptome ein. Die derzeit übliche Therapie der Mitralklappeninsuffizienz beruht je nach Schweregrad der Erkrankung auf dem Einsatz von ACE-Hemmern und entwässernden Medikamenten (Diuretika).

Die endgültige Diagnose der Art und Schwere einer Herzerkrankung stellt der Veterinär/Kardiologe mit dem Farbdoppler (Herzultraschall).

Es gibt eine verlässliche (und leider recht teure) Blutuntersuchung für Hunde und Katzen, die Auskunft über das Vorhandensein, nicht aber über die Art einer Herzerkrankung gibt, weshalb sie eine Ultraschall-Untersuchung nicht ersetzen kann.

Ein Herzultraschall liefert Informationen über den Zustand des Herzmuskels. Die Untersuchung wird auch routinemäßig zur Abklärung von Herzklappenerkrankungen angewandt und ist besonders bei der Diagnose von Herzerkrankungen an Jungtieren (angeborene Herzerkrankungen) hilfreich.

Herzgeräusche können physiologisch sein (körperliche Anstrengung, Stress, Aufregung), im Gegensatz zum Menschen treten Herzgeräusche jedoch bei Tieren häufig im Zusammenhang mit Anomalien des Herzens auf. Ein Herzgeräusch kann auf eine undichte Herzklappe, einen verengten Ausflusstrakt, eine Öffnung im Herzen oder ein abnormales Blutgefäß hindeuten. Gelegentlich treten Herzgeräusche auf, wenn sich die Blutviskosität verändert hat. (Blutarmut) oder wenn das Herz aufgrund einer Erkrankung härter arbeiten muss als sonst (zum Beispiel bei Fieber).

Bei Hunden und Katzen zählt die Mitralklappeninsuffizienz zu den häufigsten erworbenen Herzerkrankungen.

Die Häufigkeit der Erkrankung liegt innerhalb einer Hundepopulation bei etwa 10 % bei fünf- bis achtjährigen Tieren und nimmt mit zunehmendem Alter zu, so dass mit 13 Jahren 30 bis 35 % der Tiere betroffen sind.

Besonders häufig erkranken Tiere der Rasse Cavalier King Charles Spaniell. Hier hat mehr als die Hälfte der Tiere im Alter von 4 Jahren bereits Anzeichen der Funktionsstörung. Weitere häufig betroffene Rassen sind Pudel, Zwergschnauzer, Cocker Spaniel, Foxterrier und Boston Terrier.


Hintergrundinformationen

www.tierkardiologie.lmu.de > Tierbesitzer > Forum

Abteilung für Tierkardiologie der Ludwig Maximilians Universität München

Hier gibt es ein Forum für kardiologische Fragen und viele Infos mit Fallbeispielen, Grundlagen, Diagnostik, Therapie, Hunde- und Katzenkrankheiten, Rasseprädispositionen und man kann sich sogar Herzgeräusche anzuhören

*Herzinsuffizienz: Herzschwäche, Herzprobleme

Insuffizienz = Undichtigkeit

Gerne können Sie/könnt Ihr mir Eure Erfahrungen oder Meinungen zum Thema schreiben unter: info[at]veggie-vision.de