Grenzverletzendes oder auch schwer schädigendes Verhalten gegenüber einem Tier führt nur selten zu einer Bestrafung und es besteht ein sehr starkes Machtgefälle. Beide Faktoren sind bezeichnend für das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Bernadette Raschle

 

Tierschutz und Ethik

 

Die tiefen Widersprüche im Mensch-Tier-Verhältnis

Es geht um Zuneigung und Tötung.

 

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier – es könnte widersprüchlicher kaum sein: Den Hund etwa nennt zumindest der Mensch in westlichen Gesellschaften gerne seinen „besten Freund“, mit ähnlich großer Zuneigung widmet er sich Katzen, Papageien oder Schildkröten. Hierzulande lebt in jedem dritten Haushalt ein Tier. „Nutztiere“ wie Kühe, Schweine und Hühner halten die Deutschen dagegen unter Bedingungen, die Tierschützer „grausam“ nennen.


Dürfen wir Tiere, die scheinbar weniger intelligent sind oder weniger schön oder uns wenig zu ähneln scheinen, schlechter behandeln, als scheinbar intelligentere Tiere, die uns näher stehen? Dürfen wir Tiere essen, sie in Zoos und Zirkussen präsentieren?


Während ein Teil der Gesellschaft solche Fragen schon seit Jahren debattiert, hinkt die Wissenschaft hinterher; die Mensch-Tier-Beziehungen sind noch weitestgehend unerforscht. Das soll sich nun ändern: An der Universität Hamburg wurde nun die Group for Society & Animals Studies (GSA) gegründet, die deutschlandweit erste sozialwissenschaftliche Gruppe, die sich dem Verhältnis der Gesellschaft zu Tieren widmet.


Dieses Verhältnis, sagt die Leiterin der GSA, Professor Birgit Pfau-Effinger, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland verstärkt in zwei Richtungen entwickelt. Da sei einerseits die Hinwendung zum Tier: „Immer mehr Menschen nehmen Tiere als Wesen wahr, die ein Bewusstsein haben, einen Willen und Gefühle; diese Menschen sind davon überzeugt, dass Tiere uns sehr ähnlich sind – und dass wir sie entsprechend behandeln sollten.“


So werden alle Aktivitäten des Menschen, die darauf abzielen, Tieren individuell ein artgerechtes Leben ohne Zufügung von unnötigen Leiden, Schmerzen und Schäden zu ermöglichen als Tierschutz bezeichnet.


Diese Zuneigung äußere sich bisher aber hauptsächlich in der Beziehung zu Haustieren. „Andererseits hat die Gesellschaft die Tötung von Tieren in einem gewaltigen Ausmaß perfektioniert“, sagt die Soziologin. In diesem Spannungsfeld liege ein großes Potenzial zur Veränderung, sagt Pfau-Effinger: „Es gibt zumindest in westlich orientierten Gesellschaften die Tendenz, Tierschutzrechte so weit auszuweiten, dass sie Menschenrechten ähneln.“


In Dänemark dürfen Pferde nur noch in Gruppen gehalten werden, damit sie ein natürliches Herdenverhalten ausleben können.
Aber warum halten scheinbar tierfreundliche Gesellschaften an der massenhaften Haltung und Tötung von Tieren fest? „Es gibt immer mehr Menschen, die Konsequenzen ziehen“, sagt Pfau-Effinger. Das zeige zum Beispiel die wachsende Zahl der Vegetarier.


„Dennoch halten viele Menschen den Widerspruch zwischen der Vermenschlichung und der Tötung von Tieren aus, weil die Tötung hinter den Kulissen stattfindet“, sagt Birgit Pfau-Effinger. „Noch möchten viele Menschen auch nicht sehen, was hinter den Kulissen passiert.“ Doch die Forschung zeige: „Je weiter sich eine Gesellschaft intellektuell entwickelt, desto schwerer kann sie die Widersprüche in ihrem Verhältnis zu Tieren aushalten.“

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Schon die Philosophen Griechenlands haben erkannt, dass Gewalt gegenüber jedem Lebewesen in der Gesellschaft vermieden werden soll, um den Frieden zu erhalten. Bernadette Raschle

 

 
 

 

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