"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

 

Hühner

 

Hühnermast in Deutschland

33 Tage - Die kurze und schreckliche Existenz der Masthühner

Ein Film über die Machenschaften in der Geflügelfleischproduktion

www.veg-tv.info

 

Merkmale und Folgen der globalen Eierproduktion

Dermaßen viele Eier sind nur von Hennen zu haben, deren Legeleistung vorgängig über mehrere Generationen gezielt aufgebaut wurde. Dass Legehybride ohne Nachwuchs bleiben und getötet werden, wenn sie ihren Dienst an der Menschheit getan haben, ist dabei fest einkalkuliert. Die Folgen sind gravierend:

Fehlender Tierschutz

Moderne Hühner leben nach Generationen getrennt und werden von Stall zu Stall, von Betrieb zu Betrieb, von Land zu Land weitergereicht und oft über hunderte oder gar tausende von Kilometern verfrachtet (dazu die anschauliche Grafik, in der auch die Masthühner einbezogen werden). Die Vorgaben des Schweizerischen Tierschutzgesetzes können im Vergleich zum Ausland noch so gut sein, sie erreichen die in ausländischen Ställen lebenden Tiere nicht, auf denen die schweizerische Eierproduktion letztlich aufbaut.

Aber auch die Umsetzung des Schweizerischen Tierschutzgesetzes wirft Fragen auf: Damit der Import der Küken von Elterntieren möglich ist, gibt es in der Schweizerischen Tierschutzverordnung eine Ausnahmeregelung (Art. 162 TSchV): Die für “Nutztiere” übliche, maximale Transportzeit von 6 Stunden gilt nicht für Elterntierküken und andere Legeküken, die importiert werden. Vielmehr dürfen sie bis zu 48 Stunden von den Linienzuchtbetrieben in die schweizerischen Vermehrungsbetriebe unterwegs sein.

Das Anliegen der von GalloSuisse befragten KonsumentInnen, wonach der Transport von Jungtieren abzulehnen sei (siehe oben), wird mit anderen Worten weder durch die Produzentenorganisation noch durch die gesetzlichen Erlasse ernst genommen.

Zerstörung sozialer Verbände

Die Glucke gilt – jenseits aller ökonomischen Zusammenhänge – als Inbegriff der fürsorglichen Mutter. Auch vermögen Küken nach dem Schlupf sofort ihrer Mutter zu folgen, da sie die Laute der Glucke bereits im Ei von anderen Umweltgeräuschen zu unterscheiden lernen.

Diese Tiere, die also ein ausgeprägtes Sozialverhalten haben, das sich insbesondere auch auf den Nachwuchs bezieht, werden in der Tierindustrie in Verbänden von Gleichaltrigen gehalten: Die für die Eierproduktionsbetriebe vorgesehenen “Lebensgemeinschaften” schlüpfen allesamt am gleichen Tag in einem künstlichen Brüter, dann werden die Hühner in Aufzuchtbetriebe verschoben, später in die Eierproduktionsbetriebe verlegt und nach der Phase der Eierproduktion getötet.

In der modernen Eierproduktion herrscht ein Regime vor, welches das einzelne Tier als fabrikähnlichen Zellverband betrachtet, der in der Lage sein muss, Eier für den menschlichen Verzehr zu produzieren und der, harten betriebswirtschaftlichen Kriterien folgend, fast beliebig manipuliert werden darf.

Tötung von Lebewesen aus Gründen fehlender Rentabilität

Mit der Legehennen-Produktion ist die Tötung der männlichen Küken verbunden, eine Folge der züchterisch eingefädelten “Arbeitsteilung” zwischen Lege- und Masthühnern: Mit den Fleisch- oder Masthybriden, die speziell auf viel Fleisch gezüchtet werden, können die männlichen Legeküken nicht mithalten. Weil sie sich nicht gewinnbringend bewirtschaften lassen, werden sie entsorgt.

Zerstörung der autarken, lokalen Märkte

Mit dem Schlagwort vom “Schweizer Ei” wird die Vorstellung der KonsumentInnen bedient, dass es sich bei der schweizerischen Produktion von Lebensmitteln um einen biologischen, ja geradezu “natürlichen” Kreislauf handelt, der auf Schweizer Boden stattfindet.

Mit Schweizer Legehennen wird jedoch kein Nachwuchs generiert. Der Import von Elterntieren aus dem Ausland ist vielmehr eine notwendige Voraussetzung für den heimischen Eiermarkt.

Auch das Kompetenzentrum für Geflügelwirtschaft Aviforum spricht in diesem Zusammenhang von “klaren Abhängigkeitsverhältnissen”. In der Schweiz werde “nicht eigentlich gezüchtet, sondern ‘nur’ vermehrt, d.h. mit importierten Elterntieren werden Bruteier erzeugt, aus denen auschliesslich die Endprodukte schlüpfen” (Aviforum 2010: Kapitel 4.2, S. 2).

Nicht nur die Schweiz, sondern die Märkte fast aller Länder sind von dieser Abhängigkeit gekennzeichnet. Die arbeitsteilige Abfolge bei der industriellen Bewirtschaftung des Geflügels ist überall auf der Welt dieselbe geworden. Und wo sie sich noch nicht durchgesetzt hat, überrollt sie den Markt der vorindustriellen Geflügelhaltung. Auch Chinas Eierproduktion folgt dem gleichen System.

Monopolisten und Aufgabenkumulation

Zwei Giganten beherrschen die Legehennenzucht und damit die globale Eierproduktion; ein dritter ist jüngst dazugekommen. Sie sind im Besitz jener Basiszuchtbetriebe und Grosselterntiere, auf denen die lokalen Betriebe in der weiten Welt aufbauen.

Dazu gehört die zur deutschen Erich Wesjohann Gruppe zählende Lohmann Tierzucht. Sie redet von sich selbst als “Weltmarktführer”. Zur Erich Wesjohann Gruppe zählen auch die Zuchtbetriebe Hy-Line und H&N, die in den vergangenen Jahren aufgekauft wurden. Rund 70 Prozent der weissen Hühnereier, die auf dieser Welt gelegt werden, basiert auf den Zuchtlinien dieser Gruppe.

Ein anderer Gigant ist die niederländische Hendrix Genetics. Dieser Familienkonzern beherrscht 65 Prozent des Brauneiermarktes durch seine Grosselterntiere und bietet nach eigenen Angaben die Basis für 50 Prozent der weltweiten Eierproduktion. Zu Hendrix Genetics gehören die dazugekauften “alten” Zuchtbetriebe Bovans, Hisex, Dekalb, ISA, Warren, Shaver und Babcock und andere, die neuerdings unter dem Dach “Institut de Sélection Animale” (ISA) vermarktet werden.

Im Jahr 2008 gründete die französische Groupe Grimaud überraschend ein neues Zuchtunternehmen namens Novogen, um am globalen Wettbewerb der Eierproduktion zu partizipieren.

Diese Firmenkomplexe sind nicht einfach nur im Besitz der Basis- und Linienzuchtbetriebe, sie sind auch in der Futtermittelproduktion tätig, der Erforschung von Tierkrankheiten, der Entwicklung und dem Vertrieb von pharmazeutischen Produkten für die Tierindustrie. Und sie beteiligen sich aktiv, wenn es um die Einrichtung von Grosseltern- und Elternbetrieben sowie um Brütereien im Ausland geht (Gura 2007; 2008). Zudem stellen sie die für die Entwicklung von Grippemitteln genutzten Eier en gros zur Verfügung.

Seuchengefahr

Grosselterntiere, Elterntiere und auch Legeküken werden zu Hunderttausenden per Flugzeug und Lastwagen weltweit herumtransportiert. Am Zielort angekommen, werden die Elterntiere zur Herstellung der lokalen Legetierbestände genutzt, wobei letztere auf engstem Raum bis zu einer Million Legetiere leben, wenn auch nicht im gleichen Stall, so doch am gleichen Ort. Ein idealer Brut- und Mutationsplatz für Viren, meinen Seuchenexperten (kagfreiland 2006; Lorenzen 2008).

Entsprechend stehen die Zuchtbetriebe in der Verantwortung, wobei das eher sekundär sein dürfte, denn mit der Gesunderhaltung der Basiszuchtlinien steht und fällt der globale Marktanteil – und damit auch das Überleben der Zuchtgiganten. Die seuchenpolizeilichen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Basiszuchten sind deshalb so erschlagend wie vielsagend (vgl. Filières Avicoles, September 2008, S. 14). [5]

. Und was ist mit Bio-Eiern?

Selbst die Bio-Branche, die in der Schweiz immerhin mit 17 Prozent am Eiermarkt partizipiert (für das Jahr 2009), ist der globalen Dynamik der Legehennenindustrie unterworfen (Bio Suisse, Facts & Trends 2010, S. 14). Der Grund ist einfach: Auch Bio-Legehennen sind in der Regel Hybridhühner, die von Zuchtgiganten stammen. Dazu gehören die Hybriden von Lohmann Tierzucht oder Hendrix Genetics.

So wirkte beispielsweise Bio Suisse am Bau der zweiten Biobrüterei, in denen schweizerische Bio-Legehennen und Bio-Mastküken schlüpfen, beratend mit. Diese Brüterei ist zugleich eine eigenständige Tochterfirma der schweizerischen Animalco AG, an der wiederum Lohmann Tierzucht beteiligt ist (Lohmann Poultry News 2/2009, S. 12f. und 3/2009, S. 5).

Das Biolabel kann sich zwar auf das Wohlergehen der importierten Elterngeneration und der Legehennen positiv auswirken. Die Biobranche vermochte aber bislang die Gesamtdynamik dieses Gefüges nicht zu verändern – mehr noch, sie wird von den grossindustriellen Züchtern unterwandert.

“Bio” bedeutet dabei keineswegs ein umfassender Schutz für die Tierbestände. Welche schwache Bindung das Label im Hinblick auf das einzelne Tier hat, weist etwa auch die Tatsache auf, “dass überzählige Bio-Küken in der konventionellen Produktion abgesetzt werden können” (Lohmann Poultry News 2/2009, S. 12).

Zudem erreicht auch Bio die Tiere in den Basiszuchtbetrieben des Auslands nicht. Doch solange die KonsumentInnen nicht wissen, dass auch für Bioeier Elterntiere importiert werden, muss an dieser Werbefront die Schlacht gar nicht erst geschlagen werden.

Die Eierproduzenten der Bio-Branche kämpfen jedoch gegen den Makel der Kükenvernichtung und gegen viele Krankheiten, die sich dadurch ergeben haben, dass die Legehybriden eigentlich für die Käfighaltung entwickelt wurden – und damit für Stallungssysteme, bei denen die Tiere keinen Kontakt mit der natürlichen Umgebung haben.

. Kein Ausweg aus der Misere?

“Das Ganze ist schon lange pervers”, sagte vor Jahren der Leiter eines deutschen staatlichen Forschungsbetriebes gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (12.03.2006, Nr. 10). Dieses vernichtende Urteil galt den Mechanismen der globalen Hühnerwirtschaft. Seinen Namen wollte er aber lieber nicht in der Zeitung lesen.

Zur Einsicht, dass der Eierkonsum entsprechend abnorm ist, kann tatsächlich nur kommen, wer das System zur Kenntnis nimmt. Darüber wird aber geschwiegen. Und so werden Eier auch weiterhin als ein natürliches Ernährungskraftwerk für Menschen beworben, das erst noch lokal produziert wird.

Angesichts der globalen Erscheinungen und ethischen Folgen, die mit der Produktion von Eiern einhergehen, liegt es nahe, für ein Moratorium oder gar einen Ausstieg aus dem Konsum zu plädieren. Denn Alternativen gibt es.

Mehr dazu ...www.tier-im-fokus.ch

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 Leben und Sterben für die Eierindustrie Teil 1

 Leben und Sterben für die Eierindustrie Teil 2

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Egal ob Käfig- oder Bioeier: am Anfang sind die Küken und nur die weiblichen müssen ihr kümmerliches Dasein als Legehennen fristen. Die männlichen werden, da es für die Fleischproduktion spezielle Züchtungen gibt, nicht mehr gebraucht, aussortiert und vergast oder vermust. 45 Millionen jedes Jahr alleine in Deutschland.
Film dazu ... www.veg.tv.info

“Gerade weil der Mensch von den Tieren großen Nutzen empfängt, verachtet er sie. Die heutige Tier-Verachtung hat dieselbe Ursache wie die Unterschätzung der Arbeiter, der Frauen und anderer unterdrückter und ausgebeuteter Geschöpfe. Immer wenn die Menschen Andere unterdrücken und ausbeuten wollen, pflegen sie sich Ansichten über diese zu suggerieren, die ihnen die Ausbeutung erleichtern.”(Magnus Schwantje 1909, Neufassung)