Grenzverletzendes oder auch schwer schädigendes Verhalten gegenüber einem Tier führt nur selten zu einer Bestrafung und es besteht ein sehr starkes Machtgefälle. Beide Faktoren sind bezeichnend für das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Bernadette Raschle

 

Sexualisierte Gewalt gegen Tiere

 

Sexuellmotivierte Handlungen an Tieren

Bis 1969 wurden sexuellmotivierte Handlungen von Menschen an Tieren nach § 175 b Strafgesetzbuch (StGB) mit Gefängnis bestraft. Im Zuge der 1. Strafrechtsreform vom
25.06.1969 wurde die Strafbarkeit aufgehoben. Die Zahl sexuellmotivierter Handlungen an und mit Tieren ist in den letzten Jahren nicht nur in
Hessen sondern bundesweit gestiegen. Davon zeugen zum einen die zur amtlichen Kenntnis gelangten Fälle und zum anderen die entsprechenden Internetforen. Immer neue
Internetforen, in denen Personen sich bekennen oder „Gebrauchsanweisungen“ liefern, belegen dies. Fachleute sprechen bereits von einer „Lifestyle“ Entwicklung auf Kosten der
Tiere. Die im Internet zu findenden Angebote von Life-Shows mit sexualisierter Gewalt an Tieren bis hin zu Tiervergewaltigungseinrichtungen belegen, dass sich hier Ausdrucksformen menschlicher Handlungen finden, die
mit dem Tierschutz nicht vereinbar sind. Die betroffenen Tiere erleiden nicht nur kurzzeitige Schmerzen und Schäden, sondern oft sind lebenslange Leiden die Folge. Betroffen sind in der Regel Hunde und Pferde, aber auch
Schafe, Kälber und Schweine. Über die Anzahl der tatsächlichen Fälle sind aufgrund der fehlenden Strafbarkeit keine genauen Zahlen bekannt.
Im November 2008 legte die LBT deshalb einen Vorschlag zur Ergänzung der §§ 3 und 20
des Tierschutzgesetzes vor. Diese Ergänzung enthält einen Verbotstatbestand, der für die
Vollzugsbehörden direkt ahnbar wäre. 2009 warb die LBT landesweit für ihren Vorschlag. Er soll 2010 ins Kabinett eingebracht
werden.
Die veränderte Lebenswirklichkeit hat in jüngster Zeit in benachbarten europäischen Staaten
auch zur Änderung ihrer nationalen Straf- oder Tierschutzgesetze geführt. So haben
beispielsweise die Schweiz im Jahr 2008, Frankreich und das Vereinigte Königreich im Jahr
2004 sowie Belgien im Jahr 2007 sexuellmotivierte Handlungen an Tieren unter Strafe gestellt. In den
Niederlanden erging das Verbot 2009, in Schweden und Norwegen werden
Gesetzesanpassungen erwartet. Auch in verschiedenen Staaten Amerikas, wie z. B. Florida
wurden 2009 Verbote der Tiervergewaltigung erlassen (Tiervergewaltigung meint hier jeder Form der sexualisierten Gewalt/Handlung an Tieren).
Hintergrund hierfür waren Fakten, die die Nähe zwischen Kindervergewaltigern und Tiervergewaltigern erkennen ließen. Dies belegt auch ein Fall aus Hessen
vom 18.11.2009. Hier wurde bei einem Kindervergewaltiger auch zusätzlich Material mit Tiervergewaltigung sichergestellt.

Landesbeauftragte für Tierschutz in Hessen Jahresbericht 2009
www.tierschutz.hessen.de

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sexualisierte Gewalt

Solange Menschen keine Angst haben Tiere zu quälen, zu misshandeln und zu töten, dürfen Menschen keine Angst haben, sich dagegen zu äußern und zu handeln.A.M.